Kronos


Kronos
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Jüngster Sohn des Uranos* und der Gaia*, einer der Titanen*, den seine Mutter dazu veranlaßte, den Vater mit einer sichelähnlichen Waffe zu entmannen – aus Rache dafür, daß er seine schrecklichsten Kinder, die Hundertarmigen Briareos*, Kottos und Gyes, tief in der Erde verbarg. Durch seine Tat gewann Kronos die Herrschaft über die Welt, doch verkündeten ihm Uranos und Gaia, einer seiner Söhne werde auch ihn entmachten. Aus diesem Grund verschlang Kronos alle Kinder, die ihm seine Schwester Rheia* gebar, gleich nach der Geburt: Hestia*, Demeter*, Hera*, Hades* und Poseidon* – bis auf den jüngsten, Zeus*; den versteckte Rheia auf Kreta in einer Höhle und reichte dem Vater einen in Windeln gewickelten Stein. Als Zeus herangewachsen war, überwältigte er Kronos, den Gaia gezwungen hatte, seine verschlungenen Kinder wieder von sich zu geben (Hesiod, Theogonie 137–182; 453–506).
Was Hesiod von Kronos und seiner Sippe erzählt, wirkt höchst altertümlich und geradezu barbarisch, erweist sich aber bei näherer Betrachtung als Mixtur von teilweise recht verbreiteten Märchenmotiven – man denke nur an den Wolf, der alle Geißlein bis auf das letzte frißt, der seine Opfer wieder von sich geben muß und statt ihrer Steine in den Bauch bekommt.
Auffallende Ähnlichkeit mit dem Kronos-Mythos weisen hethitische Göttergeschichten auf, die ihrerseits aus dem semitischen Bereich beeinflußt zu sein scheinen. Ob man deshalb die von Hesiod berichteten Scheußlichkeiten als »ungriechisch« bezeichnen darf, ist jedoch fraglich. Im übrigen machte Hesiod, der den »ränkespinnenden Kronos« in seiner Theogonie als ausgesprochen unangenehme Erscheinung charakterisierte, ihn in den ›Werken und Tagen‹ (111) zum Herrscher des Goldenen Zeitalters. Die Römer setzten ihn mit Saturnus*, dem Beschützer der Saaten, gleich und deuteten die fatale Sichel als Erntewerkzeug. Philosophische Spekulation führte in der Spätantike dazu, daß Chronos, die Personifikation der alles verzehrenden Zeit, und Kronos, der Kinderfresser, zu einer Erscheinung verschmolzen. Dieses Mischwesen setzte Johann Wolfgang von Goethe in seinem Gedicht ›An Schwager Kronos‹ (1774) auf den Kutschbock des Gefährts, auf dem er durchs Leben dem Tod entgegenholpert, und Wilhelm Busch zeichnete es mit Stundenglas und Sense: »Einszweidrei, im Sauseschritt läuft die Zeit – wir laufen mit!« (Tobias Knopp: Vatersorgen; 1886). Den »echten« Kronos malte Francisco de Goya und schuf ein regelrechtes Horrorbild: Saturn verschlingt eines seiner Kinder (um 1820, Madrid, Prado).

Who's who in der antiken Mythologie. 2013.

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